wittislingen
Der Markt Wittislingen liegt am Südrand der Schwäbischen Alb beidseits der Egau, die, aus einem trogartigen Tal von Norden her kommend, vor dem Austritt auf die Hochterassenebene, dem Jurafels, in einem Engtälchen durchschneidet. Talauswärts, dem Jura ausgelagert, befindet sich bis zu 5 m mächtige Süßwasserkalkschichten. Ort und Gemarkung sind uralter, reicher Siedlungsboden. Man könnte geradezu von einer "Siedlungskontinuität" von der Altsteinzeit an bis in unsere heutige Zeit sprechen. Die Bodenfunde erstrecken sich nämlich von der mittleren Altsteinzeit in einer unwahrscheinlichen Fülle und in lückenloser Abfolge über alle vor- und frühgeschichtlichen Kulturstufen bis zu, Hochmittelalter.

Wittislingen ist durch seine Bodenfunde international bekannt, und zwar einmal durch den "Wittislinger Fund von 1881", zum anderen in der jüngsten Zeit ab 1951 durch die Profile der Süßwasser- oder Quellkalke, aus denen das bis dahin unklare Alter der Jungsteinzeit (angenommen wurde 2500 v. Chr.) nach der Radiocarbonmethode auf rund 4100 v. Chr. Bestimmt werden konnte. Wittislingen ist sicher eine alemannische Gründung. Aus den zahlreichen Funden ist einer aus dem 7. Jahrhundert besonders hervorragend. Es ist das Grab einer alemannischen Hochadeligen, dessen prächtige Beigaben als Wittislinger Funde heute in der prähistorischen Staatssammlung aufbewahrt werden. Diese Grab spricht dafür, dass Wittislingen spätestens zu dieser Zeit Sitz eines hochadeligen Geschlechtes war. Diesem Geschlecht soll der heilige Ulrich entstammen (890-973, Bischof von Augsburg).
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Bezeichnet für diese Annahme ist die Lebensbeschreibung des heiligen Ulrich in Probst Gerhards "Vita S. Oudalrici" (Ulrich). Aus ihr erfährt man, dass der Bischof kurz vor seinem Tode im Jahre 973 mit seinen beiden Neffen, den Grafen Richwin und Hubald, einige Tage im "oppidum quod nominatur Wittesgislinga" weilte, um einen Erweiterungsbau der dortigen Kirche anzuordnen. Die Gräber seiner Eltern Hubald und Thietburga, die bei dieser Kirche lagen, sollten nicht länger den Witterungseinflüssen ausgesetzt bleiben, sondern ins Innere der Kirche einbezogen werden.


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Die Oberhoheit über Wittislingen lag seit 1261 bei Bayern bzw. ab 1505 bei Pfalz-Neuburg, die niedrige Obrigkeit mit eigenem Niedergericht beim Hochstift Augsburg. Erst 1783 erwarb das Hochstift durch Tausch auch die hohe Obrigkeit. Wittislingen war zu dieser Zeit Sitz eines hochstiftaugsburgischen Vogtes. Vor allem in der Zeit zwischen 1455 und 1560 wuchs der Ort durch Hofteilungen an. 1955 wurde Wittislingen zum Markt erhoben. Die alte, im romansichen Stil gehaltene Kirche wurde 1750 abgebrochen und durch einen lichten und geräumigen Neubau ersetzt. Das Martinspatrozinium wurde 1805 durch ein Ulrichspatrozinium verdrängt.

buegelfiebel
Seit 1952 führt der Ort das in der oberen Ecke abgebildete Wappen.
Es weist auf bedeutende Frühzeit hin sowie auf die große Vergangenheit des Ortes. Prunkstück ist die aus dem Grabfund von 1881 stammende Bügelfiebel der Fürstin "Ufilla".Diese ist in der prähistorischen Staatssammlung München das wertvollste und bekannteste Exponat. In Fachkreisen ist der Fund weltweit als einmalig anerkannt. Die Fibel schmückt den unteren Teil des Marktgemeindewappens.

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links: Rathaus und das einzig erhaltene Fachwerkaus aus dem Mittelalter.

mitte: St. Ulrich u. Martin Außenaufnahme erbaut nach 1750. Der Turm ist auf Burgreste romanischen Baustils aufgesetzt, der obere Teil ist in Gotik gehalten.

rechts:
Friedhof und Friedhofskapelle