Hugo Müller: Ein Musikerleben


Von Martina Bachmann - 20.3.2010 - Donau Zeitung

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An seine Akkordeonstunden erinnert sich Hugo Müller noch genau. Vielleicht, weil er damals immer den schweren Koffer von Wittislingen bis zum Kloster Maria Medingen schleppen musste. Oder weil seine Lehrerin, Schwester Donzella, so streng war. Mit einem spitzen Bleistift hat sie damals Anmerkungen in sein Liederbuch geschrieben. Das alte Heft hat Müller heute, rund 70 Jahre später, immer noch. Akkordeon spielt er nicht mehr. Doch die Musik hat ihn ein Leben lang begleitet.
Müller hat in seinem Leben mehrere Instrumente erlernt. Schon als kleiner Knirps spielte er auf der Mundharmonika. Als Bub trommelte er in einem Spielmannszug. Und aus einem Flügelhorn Töne hervorzubringen, das hat ihm sein Schwiegervater gezeigt. Wobei - zu diesem Zeitpunkt war es noch lediglich der Vater einer Arbeitskollegin. Der hatte solch ein Instrument zu Hause, spielte aber nicht mehr damit. Und mitten im Krieg, bei absolutem Verdunklungsgebot, brachte er dem Jüngeren sein Können bei. Den interessierten die damaligen Vorschriften übrigens herzlich wenig - Müller lief Flügelhorn spielend heim. Einige Jahre später wurden aus ihm und der Tochter seines Musiklehrers ein Paar. 1949 wurde geheiratet.
Andere Menschen mit seinem Können zu unterhalten, das war stets Hugo Müllers große Leidenschaft. Doch eines Tages übernahm er dabei eine andere Rolle - 1960. Denn in diesem Jahr wurde der Musikverein Wittislingen ins Leben gerufen. Der leidenschaftliche Hobbymusiker Müller war bei der Gründungsversammlung dabei. Dr. Hugo Hiller, so erinnert er sich, habe alle Statuten vorbereitet. Dennoch saß man bis Mitternacht zusammen. Und Müller wurde der Gründungsdirigent der Kapelle.
20 Jahre schwang er für die Wittislinger den Taktstock. Am liebsten trat Müller mit seinen Musikern in Bierzelten auf. Mit Titeln wie die „Capri-Fischer“ oder „Der Mond hält seine Wacht“ begeisterte die Kapelle ihre Zuhörer. „Alle haben mitgesungen“, erinnert er sich. Doch seine Leidenschaft, die galt dem Swing: „Da habe ich keinen Taktstock gebraucht.“ In seinem Häuschen hängen an einer langen Wand all die Auszeichnungen, die er in dieser Zeit erhalten hat: das Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten oder beispielsweise die Urkunde zum Ehrenbezirksjugendleiter.
Nach weiteren Stationen in Dattenhausen und Bissingen legte Müller den Taktstock nieder. Auch das Angebot, in Donauwörth Stadtkapellmeister zu werden, schlug er aus. Denn Hugo Müller war zwar zeitlebens Musiker - doch auch 46 Jahre lang in der Weberei in Zöschlingsweiler tätig, am Ende als Meister. Ganz auf seine Leidenschaft zu setzten, das wäre ihm zu unsicher gewesen. Los ließ sie ihn aber auch im Ruhestand nicht.
Hugo Müller begann, eigene Märsche zu komponieren und Arrangements zu verfassen. In seiner Stube stehen in einer Ecke ein CD-Player, ein Computer, ein Drucker und ein Keyboard. Dort sitzt er oft, hört sich Musik an, schreibt sie nieder. Ein ganzes Liederbuch hat er verfasst - mit all den Titeln, die ihn sein Musikerleben lang geprägt haben. Und besonders begeistert ist er, wenn er die Stücke seiner Kindheit und Jugend zu Papier bringen kann.
Der Musikverein Wittislingen feiert heute mit einem Festakt sein 50-jähriges Bestehen. Natürlich ist auch Ehrendirigent Hugo Müller an diesem Abend dabei. Für ihn ist der übrigens noch aus einem anderen Grund ein besonderer: Der Musiker wird heute 82 Jahre alt.
DSCN6336Papa am Konzert
Unser Ehrendirigent Hugo Müller (li.) mit unserem Ehrenvorstand Heinz Schulz (re.) bei unserem traditionellen Gartenfest.